Nils Grübel & Stefan Rademacher (Hrsg.)
Religion in Berlin
Ein Handbuch
Ein Überblick über das religiöse Leben in
Berlin
Berlin 2003, Format DIN A5, 673 Seiten, 32,00 € ; ISBN
978-3-89998-003-5
Über das Buch:
In diesem Buch finden sich Darstellungen von über 360
Gruppen und Gemeinschaften nahezu aller Religionen der Welt,
die in der Stadt Berlin aktiv sind.
Das Handbuch ist ein Projekt der Berlin-Forschung der Freien
Universität Berlin am Institut für Religionswissenschaft.
Das Projekt wurde von RADIO multikulti unterstützt.
Dieses Buch bietet erstmals einen vollständigen Überblick
über das religiöse Leben in Berlin.
Die Artikel wurden so weit wie möglich in Kooperation
mit den Gemeinschaften erarbeitet, sind jedoch keine Selbstdarstellungen,
sondern folgen wissenschaftlichen Kriterien.
Die Darstellungen der Gemeinschaften und Gruppen beinhalten
Geschichtsdaten und beschreiben wesentliche Glaubenslehren,
gehen aber auch explizit auf die Berliner Situation ein.
Die einzelnen Gruppen sind in größere religiöse
Zusammenhänge eingeordnet, denen die wichtigsten Grundbegriffe
und globalen Entwicklungen vorangestellt sind, so dass Verbindungen
und Gemeinsamkeiten deutlich werden. Als besonderer Service
bietet das Handbuch zu jeder Gemeinschaft Angaben, die es
dem Interessierten ermöglichen, telefonisch, per Internet
oder vor Ort Kontakt aufzunehmen. Außerdem werden
Hinweise zu weiterführender Literatur oder zur eigenen
Internetrecherche gegeben.
Ein Glossar mit Erläuterungen zu einigen religionswissenschaftlichen
Grundbegriffen und ein Abschnitt zur religionspolitischen
Situation in Berlin runden die Darstellung ab. Das Buch
wendet sich an alle an Religion Interessierten und ist verständlich
geschrieben. Als Einführung in die Religionen gedacht
ist es auch für Nicht-Berliner ein informatives Nachschlagewerk
und eine aufschlussreiche Lektüre.
Auszug aus dem Geleitwort des Regierenden Bürgermeisters
von Berlin, Klaus Wowereit:
„... Ein Stück Bildung und Aufklärung
in einer einerseits säkularisierten, andererseits aber
auch recht unübersichtlich gewordenen religiösen
Vielfalt zu leisten ist die Aufgabe, der sich das vorliegende
Handbuch stellt.
Es hilft, sich die Geschichte von Bekenntnissen anzueignen
und sich mit den unterschiedlichsten religiösen Strömungen
und ihren jeweiligen Ausdrucksformen auseinander zu setzen.
Es hilft bei der eigenen Standortbestimmung und es gibt
ein Stück Orientierung.
Ich bin sicher: Dieses Handbuch kann bei der Gestaltung
des friedlichen Zusammenlebens zwischen Menschen sehr unterschiedlicher
religiöser Bekenntnisse helfen und es kann einen Beitrag
zum dringend notwendigen Dialog zwischen den Religionen
leisten. Denn Toleranz gegenüber anderen setzt voraus,
dass man weiß, wo man selbst steht, was es zu tolerieren
gilt und auch wo die Grenzen der Toleranz sein müssen.
Insofern wünsche ich dem vorliegenden Handbuch einen
guten Zuspruch bei möglichst vielen interessierten
Leserinnen und Lesern."
Klaus Wowereit
Über die Autoren:
In zweieinhalb Jahren Recherche haben die beiden Religionswissenschaftler
Nils Grübel und Stefan Rademacher, unterstützt
von Prof. Dr. Hartmut Zinser und Studierenden der
Institute für Religions- und Islamwissenschaft
der Freien Universität Berlin, Portraits religiöser
Gemeinschaften der Stadt erarbeitet.
Das sagen die anderen:
„Das 650 Seiten starke Nachschlagewerk (…)
schließt eine Lücke: Es herrsche „ein Mangel
an einer Gesamtübersicht“ der Glaubenslandschaft
in Berlin (…).“ „Auffällig dabei
ist das Bemühen, die religiösen Gruppen möglichst
nüchtern und objektiv, jedoch auch ‚wohlwollend’
zu beschreiben (…): Streng (religions-)wissenschaftlich,
nicht theologisch gingen die Forscher dabei vor. So ist
ihre Darstellung über eine schwer verständliche
indische Minigruppe so distanziert und kühl wie über
die großen Kirchen und ihre Lehrgebäude.“
taz vom 23.07.2003 (Philipp Gessler)
„Wo bekannt, wird genannt, wie viele Mitglieder sie
haben und wo sie zu erreichen sind, so dass das Handbuch
einen hohen Gebrauchswert hat.“
FAZ vom 23.07.2003, Nr. 168, S. 5
Weitere
Pressestimmen ...
Aus dem Inhalt
1.1. Geleitwort des Regierenden Bürgermeisters von
Berlin, Klaus Wowereit
Berlin kann auf eine große Tradition kultureller und
religiöser Toleranz zurück blicken. Das ist ein
Erbe, dem sich die weltoffene Stadt zu Beginn des 21. Jahrhunderts
verpflichtet fühlt.
Die vielen Kirchtürme in der Stadt zeugen noch von
der starken Rolle, die Christen in der Geschichte Berlins
gespielt haben. Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße
mit ihrer weithin sichtbaren glänzenden Kuppel symbolisiert
das große Erbe der Berliner Juden, die über Jahrhunderte
hinweg die Stadt geistig und kulturell prägten, bis
sie in der Nazizeit verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.
Es grenzt an ein Wunder, dass sich nach dieser schrecklichen
Geschichte heute wieder eine allmählich wachsende jüdische
Gemeinschaft in Berlin bildet.
In weiten Teilen der Gesellschaft wachsen die Kinder heute
ohne jeglichen Bezug zum Glauben auf und die Säkularisierung
ist so weit fortgeschritten, dass viele Menschen die christlichen
Symbole, die unsere Kultur so stark prägen, nicht kennen
und schon gar nicht verstehen gelernt haben – von
den Symbolen und Glaubensinhalten anderer Religionen ganz
zu schweigen. Andererseits ist eine Hinwendung zu anderen
Weltreligionen, wie dem Islam zu beobachten, der gerade
in Berlin durch die vielen Migranten aus der Türkei
und den arabischen Ländern erheblich an Gewicht gewonnen
hat.
Ein Stück Bildung und Aufklärung in einer einerseits
säkularisierten, andererseits aber auch recht unübersichtlich
gewordenen religiösen Vielfalt zu leisten ist die Aufgabe,
der sich das vorliegende Handbuch stellt. Es hilft, sich
die Geschichte von Bekenntnissen anzueignen und sich mit
den unterschiedlichsten religiösen Strömungen
und ihren jeweiligen Ausdrucksformen auseinander zu setzen.
Es hilft bei der eigenen Standortbestimmung und es gibt
ein Stück Orientierung.
Ich bin sicher: Dieses Handbuch kann bei der Gestaltung
des friedlichen Zusammenlebens zwischen Menschen sehr unterschiedlicher
religiöser Bekenntnisse helfen und es kann einen Beitrag
zum dringend notwendigen Dialog zwischen den Religionen
leisten. Denn Toleranz gegenüber anderen setzt voraus,
dass man weiß, wo man selbst steht, was es zu tolerieren
gilt und auch wo die Grenzen der Toleranz sein müssen.
Insofern wünsche ich dem vorliegenden Handbuch einen
guten Zuspruch bei möglichst vielen interessierten
Leserinnen und Lesern.
Klaus Wowereit
1.2. Vorwort der Herausgeber
Mit dem Handbuch werden die Ergebnisse einer fast
zweieinhalbjährigen Forschungsarbeit von Berliner Religionswissenschaftlern
der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Ziel der Arbeit, eines Projektes der „Berlin-Forschung“
der Freien Universität Berlin, ist es, ein möglichst
umfassendes Bild der religiösen Situation in Berlin
zu Beginn des 3. Jahrtausends zu geben.
Dazu war es notwendig, sich einen Überblick über
die religiösen Gemeinschaften in der Stadt zu erarbeiten,
Kontakte herzustellen und die Daten – zumeist vor
Ort – zu erheben. Schließlich mussten die Gruppenartikel
und die Hintergrundartikel geschrieben und eingeordnet werden.
Wir haben bewusst versucht, die beschriebenen Gemeinschaften
von Anfang an in den Entstehungsprozess einzubeziehen. So
enthalten die Artikel in großem Umfang Aussagen, Zahlen
und Daten, die von den Gemeinschaften selbst stammen und
von uns nicht immer bis in alle Einzelheiten wissenschaftlich
überprüft wurden. Entstanden ist ein Kompendium,
das eine religionswissenschaftliche Handschrift trägt,
sich aber auch auf Selbstbeschreibungen der religiösen
Gemeinschaften stützt. Der wissenschaftlich beschreibende
Umgang mit den religiösen Phänomenen und der Gebrauch
einer entsprechenden Sprache führten mitunter zu Irritationen
bei den Gemeinschaften. Die meisten Missverständnisse
konnten ausgeräumt werden, für die verbliebenen
bitten wir um Verständnis. Wir bedanken uns bei allen
Gemeinschaften, die durch ihre Kooperation zum Gelingen
des Projektes beigetragen haben.
Uns war von Anfang an bewusst, dass unser Vorhaben sehr
ehrgeizig war. Je weiter wir in die Materie eindrangen,
desto undurchsichtiger wurde die Situation – wir fanden
über 360 Gemeinschaften – und ein erfolgreicher
Abschluss rückte immer weiter in die Ferne. Dass wir
dennoch in der Lage sind, heute einen nahezu vollständigen
Überblick über das zu geben, was „Religion
in Berlin“ ausmacht, ist der aufopferungsvollen Hilfe
vieler Mitstreiter geschuldet.
Wir bedanken uns zuerst bei unserem Mentor, Prof. Dr. Hartmut
Zinser vom Institut für Religionswissenschaft, der
uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand. Unterstützt
wurden wir auch von vielen Studierenden und Wissenschaftlern
der Institute für Religionswissenschaft, Islamwissenschaft
und Ethnologie sowie von Kennern und Insidern der religiösen
Szene Berlins. Viele von ihnen haben, von uns begleitet,
auch als Autoren für das Handbuch gearbeitet. Ihre
Artikel sind mit ihren Namen gekennzeichnet. Viele weitere
Helfer, die uns Informationen, Feedback und konstruktive
Kritik lieferten bzw. uns beim mühsamen Korrekturlesen
halfen, können aus Platzgründen hier nicht genannt
werden. Auch ihnen sei herzlich gedankt.
Für die inhaltliche Unterstützung unserer Arbeit
gilt unser Dank unserem Medienpartner Radio multikulti;
für die materielle Unterstützung, die das Projekt
erst ermöglicht und den Druck dieses Buches unterstützt
hat, gebührt er der Freien Universität Berlin.
Zu nennen sind hier die Mitglieder des Projekt-Beirates:
Prof. Dr. Lutz Erbring (FU), PD Dr. Susanne Lanwerd (FU),
Wolfgang Holler (Radio multikulti), Peter C. Seel (Haus
der Kulturen der Welt) und Dr. Kunigunda Schrüfer.
Dankbar sind wir aber auch unseren Angehörigen und
Freunden für ihre Unterstützung und ganz besonders
für ihre Geduld und ihr Verständnis. Die „heiße
Phase“ des Projektes, in der es so gut wie keine freien
Wochenenden gab, keine geselligen Weinabende oder andere
Freizeitvergnügen, ja nicht einmal Telefonanrufe, dauerte
monatelang und schien nicht enden zu wollen. Wir hoffen,
dass sie das nun vorliegende Ergebnis wieder mit uns versöhnt.
Als Religionswissenschaftler, vor allem aber als Berliner,
hoffen wir, dass unser Handbuch einen Beitrag zum besseren
Verständnis der verschiedenen Religionen und Kulturen
in der Stadt leistet und die gegenseitige Akzeptanz in der
multikulturellen Metropole Berlin fördern wird.
Berlin, im Juni 2003 Nils Grübel & Stefan Rademacher
1.3. Hinweise zum Gebrauch
Wer dieses Buch zur Hand nimmt, um sich über
Religion zu informieren, soll hiermit erfahren, unter
welchen Gesichtspunkten die einzelnen Artikel strukturiert
und angeordnet wurden und welche Informationen er hier
findet. Wer das Buch mit Genuss lesen bzw. erfolgreich
damit arbeiten möchte, muss nicht notwendigerweise
die folgenden Hinweise gelesen haben. Wir sind jedoch
der Meinung, dass einige Erläuterungen zu Arbeitsweise
und Intentionen der Herausgeber das Buch verständlicher
und handhabbarer machen und dem Leser einen leichteren
Zugang zu den vielfältigen Phänomenen von Religion
ermöglichen.
Die Begriffe Religion und religiös sind weitläufig
und werden sehr verschieden gebraucht. Für die dahinter
stehenden Phänomene gibt es bis heute noch keine
abschließende Definition. Die Religionswissenschaft
geht davon aus, dass es Religiöses und Nichtreligiöses
gibt. Religiöse Phänomene hängen für
uns als Religionswissenschaftler immer mit Menschen oder
den von ihnen geschaffenen sozialen Gebilden zusammen;
die Frage nach der Wahrheit und Existenz Gottes spielt
dagegen keine Rolle. Für dieses Handbuch gehen wir
von zwei Bestimmungen aus, die jedoch nicht in jedem Fall
gleichermaßen zutreffen müssen. Wichtig für
die Aufnahme einer Gruppe als Religionsgemeinschaft waren:
- das Selbstverständnis der einer Gemeinschaft angehörigen
Menschen,
- die Wahrnehmung der umgebenden Gesellschaft.
Es zeigte sich, dass in erstaunlich vielen Fällen
– vor allem bei Gemeinschaften jüngeren Datums
– zumindest einer dieser Punkte umstritten ist.
Einerseits begreifen sich Gemeinschaften definitiv nicht
als religiös, sondern beispielsweise als politisch,
wissenschaftlich oder therapeutisch, werden jedoch in
der gesellschaftlichen Diskussion als religiös wahrgenommen.
Andererseits gibt es Gemeinschaften, die sich als Religionsgemeinschaft
verstehen, als solche jedoch in der Gesellschaft nicht
anerkannt sind. Die Gründe für diese Differenzen
sind verschieden. Bei den betroffenen Gemeinschaften bilden
wir die Diskussionen ab und umreißen die strittigen
Punkte. Der Rahmen des Handbuchs ist verhältnismäßig
weit gespannt, die Randbereiche des religiösen Feldes
werden ausdrücklich mit berücksichtigt.
Im Handbuch kommen mehrere Religionsgemeinschaften vor,
die in der Öffentlichkeit als „Sekte“
wahrgenommen werden. Wir beschreiben sie in ihrem jeweiligen
geistesgeschichtlichen und soziologischen Kontext. Die
Kritik bzw. öffentliche Diskussion sowie die Hintergründe
dazu werden auch hier kurz wiedergegeben. Andere bekannte
„Sekten“ führen wir dagegen nicht auf,
wenn sie nicht eindeutig dem religiösen Kontext zuzuordnen
sind (sogenannte Polit-, Psycho-, Wirtschaftssekten).
Grenzphänomene, die von großem öffentlichen
Interesse sind, werden von uns beschrieben. Unsere Zuschreibung
kann allerdings auch nur als eine vorläufige betrachtet
werden (-->Scientology).
Die Unterteilung des Handbuchs folgt pragmatischen Gesichtspunkten,
aber auch traditionellen Formen. Unter den Hauptüberschriften
finden sich zuerst Einleitungsartikel, die die historischen
Entwicklungen aufzeigen und die wichtigsten Lehrinhalte
darlegen. So bleibt bei den Gruppenartikeln mehr Raum
zur Beschreibung der jeweiligen Gemeinschaft und ihrer
Berliner Situation. Das führte mitunter dazu, dass
einige Gruppen unsere Artikelentwürfe als am Wesentlichen
vorbeigehend empfanden. Deshalb möchten wir ausdrücklich
darauf verwiesen, dass die Einleitungen parallel zu den
Gruppenportraits zu lesen sind.
Die Einteilung erfolgt in Form von Clustern entlang der
bekannten religiösen Hauptströmungen wie Judentum,
Christentum, Islam oder Buddhismus. Die Anordnung der
Cluster richtet sich grob nach dem chronologischen Erscheinen
der Glaubensrichtungen in Berlin, wobei jedoch der inhaltliche
Zusammenhang, der vom jeweiligen Einleitungsartikel hergestellt
wird, nicht aufgelöst werden soll. Innerhalb eines
Hauptkapitels finden sich also neben alten auch neue Erscheinungen.
Meist sind die einzelnen Gemeinschaften alphabetisch angeordnet,
in speziellen Fällen jedoch – etwa bei einzelnen
Zweigen des Buddhismus oder den neuen indischen Gemeinschaften
– auch nach dem Datum ihres Auftretens in Berlin.
Vielfach stellen Datierungen und Zuordnungen jedoch eine
Idealisierung dar: Häufig ist es der Fall, dass eine
religiöse Gemeinschaft nicht so eindeutig zuzuordnen
ist, wie es den Anschein hat. Viele haben mehrere historische
und geistige Quellen. Sie grenzen sich oft nicht explizit
gegen andere Traditionen ab und sind offen für andere
Ansätze. Gerade die jüngere Religionsgeschichte,
vor allem im Westen, speist sich aus den vielfältigsten
Traditionen, und oft werden Abgrenzungen sogar ausdrücklich
abgelehnt. Man kann sagen, dass im Grunde nur die wenigsten
der hier dargestellten Gemeinschaften tatsächlich
eindeutig unter eine religiöse Tradition eingeordnet
werden können. Leider bringen es die Eigenschaften
der Printmedien mit sich, dass durch ein erzwungenes Unter-
und Nacheinander ungewollte Eindeutigkeiten entstehen.
Das sollte beim Blick in unser Inhaltsverzeichnis berücksichtigt
werden.
Die Konzentration auf eine sozio-historische Darstellung
führte nicht nur zu einer Verschiebung zwischen den
Prioritäten der Religionswissenschaft und denen der
beschriebenen Gemeinschaften. Gelegentlich sind regelrechte
Widersprüche aufgetreten. Oft kreisen sie um die
Frage des Alters. Viele religiöse Gemeinschaften
bestehen darauf, dass ihre Lehre so alt ist wie die Welt
bzw. ihre Existenz mit der Stiftung der Religion begonnen
hat. Diese Aussagen geben wir in der Regel wieder. Für
die Gruppe als soziale Erscheinung lässt sich aber
in allen Fällen ein jüngeres Datum fixieren,
das uns zur Einordnung diente.
Das Gerüst unserer Artikel bilden soziale und historische
Daten, die sich je nach Quellenlage und Kooperation der
Gemeinschaften mehr oder weniger genau ermitteln ließen.
Die religiösen Inhalte und Glaubensgrundsätze
dagegen können hier nur angedeutet werden. Grundsätzlich
ist beim Lesen und Bewerten unserer Aussagen zu den religiösen
Lehren Folgendes zu bedenken:
-
In der hier gebotenen Kürze können
Glaubensinhalte kaum adäquat abgebildet werden.
Zu umfangreich und vielfältig sind die Lehren,
Theologien und Rituale. Außerdem ist es das Anliegen
der meisten Gemeinschaften, sie in ihrer Vielfalt –
und entsprechend der eigenen Sichtweise – selbst
zu verkünden. Wer also tiefer in die Materie eindringen
will, ist bei den Gemeinschaften selbst an der richtigen
Adresse bzw. wird auf die weiterführende Literatur
verwiesen.
-
Viele Lehren sind in einer bestimmten
Sprache abgefasst, Formulierungen und Worte haben eine
spezifische, interne Bedeutung. Häufig mussten
wir „Übersetzungsarbeit“ leisten.
-
Die Wiedergabe der Lehren erfolgt in
Zitatform oder im Konjunktiv. Das bedeutet jedoch keine
Verneinung dieser Aussagen. Allerdings relativiert unsere
Darstellungsweise Aussagen zu Glaubens- und Wahrheitsdingen.
Das jedoch ist bei einer vergleichenden Religionswissenschaft
und bei dem Versuch, allen religiösen Lehren und
Gemeinschaften gleichberechtigt Platz einzuräumen,
unvermeidlich.
Wir verwenden eine einfache und einheitliche
Schreibweise. Die Übertragungen fremdsprachiger Begriffe
in die deutsche Schrift bedienen sich einer Vielzahl von
Sonderzeichen. Wir vermeiden weitgehend diese Schreibweise,
um eine größtmögliche typologische Klarheit
zu erreichen. Wo dieses Vorgehen zu sinngemäßen
Verschiebungen führt, bitten wir die Angehörigen
der Religionsgemeinschaften um Verständnis.
Ebenso vereinfachen wir bei der Geschlechtlichkeit: Wir
verzichten auf die implizite Schreibweise und beschränken
uns auf die im Deutschen dominante männliche Form.
Sie schließt in den allermeisten Fällen auch
die weibliche ein. Das Geschlechterverhältnis in den
Lehren und Gemeinschaften wird zumeist explizit thematisiert.
Bei den Gruppenportraits sind fast immer Kontaktmöglichkeiten
angegeben. Wir wollen dazu anregen, die Gemeinschaften
zu besuchen, sie kennen zu lernen und so Religion vor
Ort zu erleben. Wo keine Kontaktmöglichkeiten aufgeführt
sind, gibt es entweder keinen entsprechenden Ort oder
die Gemeinschaft wünscht keinen Kontakt. Bei Gemeinschaften,
die in ihren Lehren und Taten einen friedlichen und toleranten
Umgang mit Andersdenkenden offensichtlich und nachdrücklich
ablehnen, wurden von uns Herausgebern die Kontaktadressen
bewusst weggelassen.
Wir wünschen allen Benutzern des Handbuches viel
Freude und die eine oder andere neue Erkenntnis!