Marianti Manggau
Untersuchungen zu Signalwegen von SPP in humanen Keratinozyten
Berlin 2002, 129 Seiten, € 32,80; ISBN 978-3-934479-73-9
Über das Buch:
In den letzten Jahren hat sich herauskristallisiert, dass
der aktive Metabolit von Vitamin D3 1,25-(OH)2D3 nicht nur
an der Regulation der Calciumhomoöstase beteiligt ist,
sondern auch die Proliferation und die Differenzierung von
hämatopoetischen und epithelialen Zellen beeinflusst.
Bei humanen Keratinozyten inhibiert 1,25-(OH)2D3 das Zellwachstum
und fördert die Differenzierung zu Korneozyten. Aufgrund
dieser Eigenschaften dienen 1,25-(OH)2D3 sowie seine Analoga
Calcipotriol und Tacalcitol zur örtlichen Behandlung
der leichten bis mittelschweren Psoriasis vulgaris. Der
Einfluss von 1,25-(OH)2D3 auf eine Vielzahl von Signalkaskaden,
die an einem antiproliferativen Effekt beteiligt sein könnten,
wurden bisher überprüft. Trotzdem ist der genaue
Mechanismus, auf welche Weise das Secosteroid seine Wirkung
vermittelt, bis heute nicht vollständig geklärt.
Eine große Bedeutung bei den Wirkungen von 1,25-(OH)2D3
wird Sphingolipid-Metaboliten zugeschrieben. Tatsächlich
war die aktive Form des Vitamin D3 die erste Substanz, für
die ein Einfluss auf Sphingolipide nachgewiesen wurde. In
HL-60-Zellen führt 1,25-(OH)2D3 zur Hydrolyse des Membranlipids
Sphingomyelin und damit zu der Bildung von Ceramiden. Tatsächlich
besitzen Ceramide hinsichtlich Differenzierung und Inhibierung
des Zellwachstums von HL-60-Zellen ähnliche Eigenschaften
wie 1,25-(OH)2D3. Daher hat man postuliert, dass die Bildung
von Ceramiden nach 1,25-(OH)2D3-Gabe essentiell für
dessen Wirkung ist. Auch an Keratinozyten wurde der Einfluss
von 1,25-(OH)2D3 auf den Sphingolipidmetabolismus näher
untersucht. In Übereinstimmung mit den Ergebnissen
an HL-60-Zellen konnte auch bei diesen epidermalen Zellen
die transiente Bildung von Ceramiden nachgewiesen werden.
Ceramide sind jedoch auch wirkungsvolle Induktoren des apoptotischen
Prozesses. Demnach sollte man erwarten, dass 1,25-(OH)2D3
aufgrund seiner Ceramid-Bildung apoptotische Prozesse in
Keratinozyten auslöst. Mehrere Studien belegen in der
Tat, dass bei Keratinozyten der antiproliferative Effekt
mit einer gesteigerten Apoptoserate verbunden ist.
In der vorliegenden Arbeit konnte nun aber eindeutig nachgewiesen
werden, dass Inhibierung des Zellwachstums und Induktion
der Apoptose nicht miteinander gekoppelt sind. In Einklang
mit den beschriebenen Studien induziert zwar 1,25-(OH)2D3
Apoptose in Keratinozyten, allerdings finden apoptotische
Vorgänge allerdings erst bei Konzentrationen über
1 µM statt. Die antiproliferative Wirkung dagegen
liegt im nanomolaren Bereich von 1,25-(OH)2D3. Vor dem Hintergrund
der publizierten apoptotischen Wirkung überraschte
der hier gefundene antiapoptotische Effekt von 1,25-(OH)2D3.
Diese Untersuchungen belegen eindeutig, dass 1,25-(OH)2D3
in physiologischen Konzentrationen eine zytoprotektive Wirkung
in Keratinozyten besitzt. Werden die epidermalen Zellen
mit 1,25-(OH)2D3 vorinkubiert, so ist die Apoptoserate drastisch
verringert, wenn im Anschluss Apoptoseinduktoren zugefügt
werden. Dabei ist die zytoprotektive Wirkung unabhängig
vom Stimulus. In der vorliegenden Arbeit wurden UV-Strahlung,
TNF- und Ceramide als Apoptoseinduktoren eingesetzt.