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Dariusz Lapinski
Das Weltbild und die Wirtschaftsauffassung des polnischen Rechtspopulismus

Berlin 2004, 253 Seiten, € 14,90; ISBN 978-3-89998-052-3

Über das Buch:
Die Heilige Mutter Gottes als Königin von Polen? Jesus Christus mit einem weiß-roten Banner? Für Anhänger der national-katholischen Weltanschauung kein ungewöhnliches Bild. Im vorliegenden Buch wird die Vorstellungswelt des polnischen Rechtspopulismus, der nationalistische Grundeinstellung mit volkstümlichem Katholizismus verbindet, systematisch rekonstruiert. Anschließend wird die Frage nach der politischen Relevanz national-katholischer Denkmuster gestellt. Ein rechtspopulistisches Privatisierungsgesetz wird dabei zum Anlass genommen, um die Wirtschaftsvorstellungen polnischer Nationalisten und ihre politische Durchschlagkraft zu untersuchen.
Um an das so gestellte Problem zu gelangen, beginne ich meine Arbeit mit einer Darstellung der spezifischen Rahmen-bedingungen, die den Verlauf der polnischen Privatisierung geprägt haben (Kap.2). Anschließend gehe ich auf die Mög-lichkeiten ein, die diesbezüglich vom Gesetzgeber geschaffen wurden. Dabei möchte ich aufzeigen, dass die vereinbarten Lösungen einen rational erklärbaren Kompromiss zwischen allen Beteiligten darstellten (Kap.3). Die öffentliche Kritik an der Privatisierung wurde von der populistischen Rechten aufgegriffen, um ein eigenes Konzept vorzustellen – das Kon-zept der allgemeinen Eigentumsverleihung. Seine Entste-hungsgeschichte, Inhalte und den Verlauf seiner politischen Karriere skizziere ich in Kap.4. Besondere Aufmerksamkeit widme ich dabei der Diskussion um das umstrittene Projekt, in der bereits einige Elemente der rechtspopulistischen Welt-auffassung zum Vorschein kommen.
Um die national-katholische Vorstellungswelt nun sys-tematisch zu rekonstruieren, greife ich auf eine Methodik zu-rück, die hauptsächlich von Ernst Topitsch entwickelt wurde und den Namen „Weltanschauungsanalyse” trägt. Die Gründe für diese Entscheidung, die ich in den „methodischen Vor-bemerkungen” ausführlich darstelle, sollen an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden. Die rechtspopulistischen Glaubenssätze unterscheiden sich insoweit von anderen Kommu-nikationsnischen, dass sie seit Jahren in einer nahezu unver-änderten Form auftreten und oft mit einem Pathos der Un-fehlbarkeit als höhere Einsichten in die Welt der Politik und Wirtschaft vorgetragen werden. In den Arbeiten von Topitsch findet sich m.E. ein geeignetes Instrumentarium, um solche Phänomene zu untersuchen. Bei dessen Darstellung (Kap.5) führe ich eine zusätzliche Unterscheidung zwischen der historischen und der analytischen Methode der Weltanschauungs-analyse ein, diskutiere ihre allgemeine Anwendbarkeit und lege die Eckpunkte für weiteres Vorgehen fest.
Die darauf folgende Analyse der national-katholischen Vorstellungswelt besteht aus drei Teilen. Zunächst soll die historische Entstehung einiger typischer Glaubenssätze vor dem Hintergrund der polnischen Kulturtradition dargestellt werden (Kap.6). Anschließend richte ich das Augenmerk auf die metaphysischen und geschichtsphilosophischen Annahmen des polnischen Rechtspopulismus, vor deren Hintergrund seine Thesen als absolut wahr und unanfechtbar erscheinen sollen (Kap.7). Schließlich werden die zentralen Inhalte der untersuchten Weltanschauung systematisch rekonstruiert (Kap.8).
Um die praktische Relevanz der allgemeinen Denk- und Deutungsmuster des rechtspopulistischen Lagers zu untersu-chen, wird die betreffende Weltanschauung als eine Spielart des abstrakten Wissens aufgefasst, aus der sich bei Bedarf praktische Handlungskonsequenzen ableiten lassen (Kap.9). Für die vorliegende Untersuchung sind dabei vor allem diejenigen Einstellungen von Bedeutung, die im rechtsnationalen Spektrum in Bezug auf Ökonomie formuliert worden sind. Diese spezifische Wirtschaftsauffassung der national-katholischen Weltanschauung soll in Kap.10 rekonstruiert werden. Die Frage nach der praktischen Umsetzung dieser Vorstellungen widme ich mich im letzten Abschnitt der Arbeit.
Über den Autor:
Dariusz Lapinski, 1972 in Polen geboren, studierte Politikwissenschaften an der Unversität Potsdam. Das vorliegende Buch entstand während seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der deutsch-polnischen Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).