Verlag für Wissenschaft und Forschung, Berlin  

  Start   Verlagsprogramm   Veröffentlichen     Service   Referenzen   Verlag  


Natur- und Ingenieurwissenschaften
Geistes- und Gesellschaftswissenschaften
Wirtschaft und Recht
Wissenschaftliche Buchreihen
 
 

Titelseite
Inhalt
Buchbestellung

Rahel Gersch
Frommer Individualismus – Die Lakewood Church und die Phänomene
Megachurch, prosperity gospel und charismatische Pastorenschaft

Berlin, April 2013, 324 Seiten, 39,80 €
ISBN 978-3-89998-205-3

Über das Buch:
Fraglos ist die texanische Lakewood Church mit ihren 40.000 Besuchern pro
Wochenende eine beeindruckende, evangelikale Megachurch. Unter ihrem Pastor
Joel Osteen wuchs die Lakewood Church zur mittlerweile größten Gemeinde
der USA. Aber was macht diese Gemeinde so erfolgreich? Ist es ihre Botschaft
des prosperity gospel, die Wohlstand für frommes Christ sein verspricht? Oder
liegt der Erfolg in der charis matischen Pastorenschaft Joel Osteens begründet?
Wie lässt sich der Erfolg der Mega church in den USA erklären?
In dieser Arbeit wird die Bedeutsamkeit von Erweckungspredigern zur Entstehung
der modernen Megachurch in einer historischen Betrachtung herausgearbeitet.
Eine religionssoziologische Studie, die einen Einblick in die Lebenswelt der Mitglieder
der Lakewood Church ermöglicht, führt darüber hinaus zu neuen Erkenntnissen über
den Reiz der Megachurch, des prosperity gospel und der charismatischen Pastorenschaft.

Aus dem Vorwort:
Millionen Menschen sehen sich Osteens Predigten jede Woche an und werden so zu Rezipienten seiner Version der christlichen Botschaft. Theologisch lässt sich Osteens Botschaft im prosperity gospel (zu übersetzen mit Wohlstandsevangelium), einer Strömung innerhalb des evangelikalen Protestantismus, verorten.
Harrison, der sich intensiv mit dem prosperity gospel in afroamerikanischen Gemeinden beschäftigt hat, sieht drei zentrale Glaubensgrundsätze des prosperity gospel: sich seiner Position als Christ sicher sein („knowing who you are in Christ“), positive Glaubensbezeugungen („positive confession“) und die Betonung von materiellem Wohlstand und physischer Gesundheit als göttliches Recht jedes Christen.
Laut Jones und Woodbridge glauben viele Anhänger des prosperity gos pel daran, göttliche DNA in sich zu tragen oder, im Extremfall, selbst Götter zu sein. 9 In Folge dieses Glaubens sehen sich diejenigen, die an den prosperity gospel glauben, mit gottgleichen Fähigkeiten ausgestattet. Sie glauben, dass ihren Worten schöpferische Kraft innewohnt. Aus der Bibel entnehmen sie, dass Gott die Welt durch Worte erschaffen hat. Als wiedergeborene Christen nehmen sie dieselbe Macht, mit der Gott durch Worte Materie geschaffen habe, für sich in Anspruch und glauben daran, dass ihre Worte ihre Umwelt beeinflussen können. 10 Aus diesem Grund müssen Anhänger des prosperity gospel ihre Gedanken und Worte unter Kontrolle halten und so mit den von Harrison als Glaubensgrundsatz des prosperity gospel genannten positiven Glaubensbezeugungen die gewünschte Realität erschaffen.
Die Lakewood Church mit ihrem moderaten prosperity gospel ist kein theologisches Randphänomen, sondern steht im Zentrum einer innerprotestantischen Entwicklung in den USA , in welcher Wohlstand und frommer Glauben miteinander einhergehen. Umso erstaunlicher ist es, dass es in der akademischen Welt bisher keine intensive Beschäftigung mit der Lakewood Church und ihrem Pastor gab. Als die größte Mega church 25 der USA , die die Botschaften ihres charismatischen Pastors 26 Joel Osteen weltweit erfolgreich verbreitet, ist sie von großem religionswissenschaftlichem Interesse.
Die nähere Beschäftigung mit der Lakewood Church im Rahmen dieser Studie führte zu der Konzentration auf drei Kernphänomene, die diese Gemeinde aufweist: die Theologie des prosperity gospel , die organisatorische Struktur als Mega church und den charismatischen Pastor, der eine große Anhängerschaft hat.

Über die Autorin:
Rahel Gersch studierte Religionswissenschaft und Nordamerikastudien an der
Freien Universität Berlin. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Texas promovierte
sie im Januar 2013 in Religionswissenschaft an der FU Berlin.