Berit Fuhrmann, Anja Wagner
Über Häuser und Fruchtbarkeit. Kulturelle Konzepte
und tribale Gesellschaftsordnungen in Nordostindien.
Die ethnographische Literatur zu den Garo, Khasi und Naga
neu gelesen
Berliner Beiträge zur Ethnologie [ISSN 1610-6768],
Bd. 12
Berlin 2007, 207 Seiten, € 26,00; ISBN 978-3-89998-102-5
Weitere
Bände der Reihe
Teil 1
Berit Fuhrmann
Die Naga zwischen Süd- und Südostasien
Teil 2
Anja Wagner
Khasi und Garo: Ein Gesellschaftsvergleich
Nordostindien – gelegen an der Schnittstelle von
Südasien, Südostasien und Zentralasien –
ist eine der ethnisch, kulturell und linguistisch heterogensten
Regionen der Welt. Die politisch angespannte Lage in diesem
strategisch sensiblen Landesteil verhinderte jahrzehntelang
ethnologische Forschungen und gestaltet sie bis heute schwierig.
Die Auseinandersetzungen zwischen den für ihre Unabhängigkeit
kämpfenden tribalen Minderheiten und der indischen
Zentralregierung sowie interethnische Konflikte bestimmen
die offizielle Rhetorik und das Bild der Region nach außen.
Die beiden in diesem Band vereinigten Studien beschäftigen
sich, jenseits dieses dominanten Diskurses, exemplarisch
mit der Gesellschaftsordnung dreier ausgewählter Ethnien
des indischen Nordostens: Garo, Khasi und Naga. Mit Bezug
auf allgemeine ethnologische Theorien gelingt es den Autorinnen,
die kolonialzeitlich verfassten Standardmonographien von
ihrer Patina zu befreien und neue Interpretationen alter
ethnographischer Texte zu liefern. Das Ergebnis ist eine
Analyse sozialer Prozesse und Strukturen, die den Reichtum
kultureller Konzepte veranschaulicht und indigene Werte
und Ideen in den Mittelpunkt stellt.
So zeigt Berit Fuhrmann wie die einst als Kopfjäger
gefürchteten Bergbewohner des heutigen Nagalands mit
der Kolonialisierung rigide in „Stämme“
klassifiziert wurden, ohne dabei lokalen Kategorien der
Zuordnung und den de facto sehr flexiblen Verhältnissen
der sozialen und politischen Organisation Rechnung zu tragen.
Anja Wagner revidiert ihrerseits die in der Ethnographie
der Garo und der Khasi vorherrschende Konzentration auf
deren matrilinearer Deszendenzordnung, indem sie, mit vergleichendem
Blick, die lokale Bedeutung von „Häusern“
herausarbeitet und die zentrale Relevanz von Heiratsbeziehungen
demonstriert.
Über die Autorinnen:
Berit Fuhrmann, 1977 bei Dresden geboren,
Studium der Ethnologie und Geographie in Berlin und Paris,
seit 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Südasien-Institut
der Universität Heidelberg, Feldforschung über
rituelle Heilung bei den Karow und den Khasi in Meghalaya/Nordostindien.
Anja Wagner, 1979 in Hannover geboren,
Studium der Ethnologie und Volkswirtschaftslehre in Berlin,
seit 2005 Promotion an der Universität Heidelberg (gefördert
durch die Studienstiftung des deutschen Volkes), Feldforschung
über „Krankheit und Heilung“ bei den Gaddi
in Himachal Pradesh/Nordwestindien.