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Dietrich Dopheide
Das Groteske und der Schwarze Humor in den Romanen Edgar Hilsenraths


Berlin 2000, 326 Seiten, € 14,90; ISBN 978-3-934479-36-4

Über das Buch:
Mit diesem Buch liegt erstmalig eine vergleichende stilanalytische Studie über die Romane Edgar Hilsenraths und die sie prägende satirisch-komische Darstellungsweise vor.

Lachen im Zusammenhang mit Auschwitz galt im literarischen Diskurs der Nachkriegszeit lange als Tabu, gegen das zu verstoßen als ein Skandalon ersten Ranges erschien. Dennoch haben seit den 60er Jahren manche Autoren erzählender Holocaustbeschreibungen bewusst auch solche Stilmittel verwendet – vor allem der literarischen Lachkultur entlehnte wie Schwarzer Humor, Groteske und Satire –, die dieses Tabu durchbrachen. Damit provozierten sie den ohnmächtigen, von zu viel moralischer Verzweiflung geprägten Betroffenheitsdiskurs über den nationalsozialistischen Judenmord.

Einer der bekanntesten jener Autoren ist Edgar Hilsenrath, der den Holocaust in einem Ghetto überlebte. Das vorliegende Buch zeigt anhand der wichtigsten Stilmittel dieses Autors – Groteske und Schwarzer Humor – die satirische Intention seiner Romane und den seinerzeit durch sie bewirkten Tabubruch auf: Vor allem hat Hilsenrath die in der Nachkriegszeit verbreitete Selbststilisierung ehemaliger Nazitäter zu Opfern und den scheinheiligen Philosemitismus vieler Deutscher satirisch entlarvt und der Lächerlichkeit preisgegeben.

Dietrich Dopheide ist es in seiner Arbeit gelungen, die spezifische Bedeutung des Komisch-Lächerlichen für das Erzählen vom Holocaust überzeugend darzulegen. Er führt damit eine zum Teil auch heute noch umstrittene, auf Provokation angelegte Erzählweise des scheinbar Unerzählbaren vor Augen und rechtfertigt sie aus den zeithistorischen und rezeptionsgeschichtlichen Bedingungen, unter denen sie entstand.

Über den Autor:
Dietrich Dopheide, geb. 1960; Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft; Promotion im Fach Germanistik mit dieser Arbeit; derzeit in Berlin tätig als Personalsachbearbeiter.

Rezension:
Philosophischer Literaturanzeiger 70 / 2 / 2017