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Christop L. Diedrichs

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Christof L. Diedrichs
"Man zeigte uns den Kopf des Heiligen"
Bausteine zu einer Ereigniskultur in Mittelalter und Früher Neuzeit


Berlin 2008, 342 Seiten, € 36,00; ISBN 978-3-89998-128-5


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Über das Buch:
Nach der so genannten performativen Wende richtet sich das Interesse der Geistes- und Sozialwissenschaften nicht mehr nur auf Kultur als einen strukturierten Zusammenhang von Einzelelementen, die in ihrer Bedeutung weitgehend fixiert neben einander stehen. Stattdessen wird Kultur zunehmend verstanden als ein Prozess, der sich in Ereignissen manifestiert und durch sie fortschreitet. Altbekannte Phänomene werden neu untersucht, nun mit einem veränderten Instrumentarium. Ein Ereignis ist kein dauerhaftes Dokument, sondern flüchtig und unwiederholbar; die Teilnehmer spielen daran eine ebenso große Rolle wie die Darsteller; und an die Aufzeichnung eines Ereignisses sind ganz besondere Anforderungen gestellt.
Das neue Instrumentarium kommt nicht ohne die altbewährte Methodik aus. In ihm werden die Ansätze verschiedener Disziplinen zusammengeführt und ergänzt, wie sich die berühmten ›Zwerge auf den Schultern von Riesen‹ der Größe der Riesen bedienen, sie jedoch zu einer neuen Sichtweise führen. So werden aus historischen Fakten Ereignisse rekonstruiert, die durch die Darstellung ihres Ritual- und Aufführungscharakters ganz neue hermeneutische Zugänge erlauben.
Die Vorgehensweise wird in diesem Buch exemplarisch an den Heiltumsweisungen in Aachen, Nürnberg und Halle/Saale durchgeführt. Zu diesen ›Mega-Events‹ des Mittelalters versammelten sich nicht selten 100.000 Menschen, um in aufwändigen Inszenierungen die körperlichen Überreste von Heiligen zu sehen und Ablässe in abenteuerlicher Größe zu erwerben, bis die Reformation auf die Wahrhaftigkeit der christlichen Botschaft verwies und dem spektakulären Ereignis das Wort entgegensetzte.

Über den Autor:
Dr. phil. Christof L. Diedrichs, geb. 1966 in Bochum; Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Theologie in München und Berlin; von 2001 bis 2007 u.a. Mitglied des Sonderforschungsbereichs 447 "Kulturen des Performativen" an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2008 leitet er die Victor-Klemperer-Akademie in Freiburg/Brsg.