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Günther Bonheim

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Günther Bonheim
Lob des Versagens, Versuch über das Sterben.
Wilhelm Müller: Die Winterreise

Berlin, September 2008, 193 Seiten; € 24,00; ISBN 978-3-89998-129-2

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Über das Buch:

Schubert wurde durch einige Zeit düster gestimmt und schien angegriffen. Auf meine Frage, was in ihm vorgehe, sagte er nur: „Nun, ihr werdet es bald hören und begreifen.“ Eines Tages sagte er zu mir: „Komme heute zu Schober. Ich werde euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vorsingen. Ich bin begierig zu sehen, was ihr dazu sagt. Sie haben mich mehr angegriffen, als dieses je bei anderen Liedern der Fall war.“

Josef von Spaun


An das Wort „Winterreise“ knüpft sich in allererster Linie der Gedanke an die Komposition von Franz Schubert, an den „Zyklus schauerlicher Lieder“, wie er selber einmal anläßlich einer privaten Aufführung zu seinem Werk gesagt haben soll. Dabei zählen die den Liedern zugrunde liegenden, vom Dessauer Literaten und herzoglichen Bibliothekar Wilhelm Müller, dem „Griechen-Müller“, verfaßten Gedichte auch ohne die Adelung, die sie durch die Schubertsche Vertonung erfuhren, zu den herausragenden Schöpfungen der deutschen Spätromantik. Je aufmerksamer man sich in die Details ihrer oft so schlicht und anspruchslos anmutenden sprachlichen Gestaltung vertieft und je angelegentlicher man den vielfachen internen Bezügen und Verweisen nachspürt – und ebendies wird in der vorliegenden Studie versucht –, umso deutlicher tritt die letztlich unauslotbare Komplexität der Gedichtfolge zutage. Und deutlich wird bei diesem Vertiefen und Nachspüren noch etwas weiteres: In ihrer unendlichen Trostlosigkeit, in der von Anfang bis (zum rätselhaften) Ende unbeirrt durchgehaltenen Überzeugung ihres Protagonisten, aufgrund einer unglücklichen Liebe der menschlichen Gemeinschaft auf immer abgestorben zu sein und statt dessen nur noch dem Gedenken an den Anlaß dieses Absterbens und der Konservierung des eigenen Elends leben zu können, geht Die Winterreise von Wilhelm Müller über das aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert ansonsten Bekannte weit hinaus. Die Aktualität des Schubertschen Liederzyklus, die bei jeder guten Aufführung aufs Neue als solche unmittelbar empfunden wird, beruht zu einem guten Teil auf der beklemmenden Faszination ihrer Texte.